Anti-Mobbing-Projekt am Adalbert-Stifter-Gymnasium

„Ich hab härter zugeschlagen, als die anderen meinen Namen gerufen haben“, gibt Ba Khoi zu. Er stand seinem Klassenkameraden Daniel im Kreis ihrer Mitschüler gegenüber, wo die beiden mit Schaumstoffschlangen aufeinander eindroschen. Dies ist nur eine der vielen Übungen, bei der die Siebtklässler des ASG am eigenen Leib erfahren können, was Mobbing in seinen verschiedenen Formen für den einzelnen bedeutet. Geleitet wird das alljährliche Projekt von Jürgen Kittel, Dike Attenbrunner und Polizeihauptkommissar Johann Schanzer: „Es ist unsere polizeiliche Aufgabe, die Kinder über die heutigen Gefahren speziell im Internet aufzuklären. Sie bewegen sich in der Medienlandschaft, ohne sich der Gefahren für sich, ihre Freunde und ihre Eltern bewusst zu sein.“

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Neben den straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen geht es um die verschiedenen Formen positiver und negativer Verstärkung und dass man sich nicht nur als Täter, sondern auch als bloßer Zuschauer strafbar macht. Letzteres war den Jugendlichen kaum bewusst, werden doch viele Mobbing-Aktionen als „bloßer Spaß“ und „nicht ernst gemeint“ empfunden. Dieser Vorstellung erteilt das Projekt, das seit sieben Jahren fester Bestandteil des Präventionsprogramms am ASG ist, eine klare Absage. „Schließlich erfüllt Zuschauen und Nichtstun unter Umständen den Tatbestand der unterlassenen Hilfeleistung, Anfeuern kann ein Richter als Anstiftung zu einer Straftat bewerten“, so Stefan Berger, vormals Jugendstrafrichter am Amtsgericht Passau. Konflikte ohne Gewalt zu lösen und Verhaltensformen zu trainieren, menschlich miteinander auszukommen, ist ein wesentlicher Bestandteil der Aktion. Ähnlich sieht dies auch Jürgen Kittel: „So ein Projekt bringt wirklich was, vor allem, weil wir mit Johann Schanzer einen externen Experten mit jahrelanger Berufserfahrung gewinnen konnten.“ Prozentual messbar ist der Erfolg natürlich nicht, aber das Team hat auf jeden Fall den Eindruck, dass das Mobbing am ASG spürbar abgenommen hat. Dies bekräftigte auch Daniel: „Uns ist so richtig bewusst geworden, wie das so ist, wie man sich fühlt.“

Heidrun Berger-Asen