Die Debatte ist das Grundelement jedes politischen Diskurses – Bruno Jonas zu Gast am ASG

Diesem Prinzip verschrieben hat sich Bruno Jonas, Pate der AG „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ (SOR SMC) am Adalbert-Stifter-Gymnasium, und er fand in den Schülern unserer Mittel- und Oberstufe engagierte Diskussionsteilnehmer. Nach Eröffnung der Gesprächsrunde durch Schulleiter OStD Guntram Kraus stieg der wohl berühmteste ehemalige Schüler des ASG in den Dialog ein: „Seid ihr überhaupt an Politik interessiert?“ „Sie bestimmt unseren Alltag und interessiert uns natürlich, auch wenn wir nicht in den klassischen Politikfeldern aktiv sind“, so die Antwort von Moritz Gaßler aus unserer Q11, der sich zudem über den Vormarsch des Neo-Faschismus in unserer Gesellschaft besorgt zeigte, gegen den es sich zu wehren gilt.

Des Weiteren steht der Kabarettist der medialen Offensive der zukünftigen Regierung als nächsten Themenschwerpunkt kritisch gegenüber: „Durch Digitalisierung wird kein Schüler klüger, sondern blöder!“, stellte er provokant in den Raum. Er begründete seine These damit, dass das Überangebot an Informationen keine qualitative Hochwertigkeit garantiert und damit letztendlich zu einer Desinformation führt. Denn „die Masse an Information verlangt die Fähigkeit zur Selektion – und wer bringt mir das bei?“ Hier gab es unter der Schülerschaft einerseits Zustimmung, andererseits regte sich auch Widerstand. Schließlich könne man Strategien entwickeln, um sinnvolle Fakten schnell zu finden, erklärte Elias Bartl. Grundsätzlich könne man dem zustimmen, aber für die Entwicklung dieser Strategien brauche es Bildung. Bruno Jonas warnte vor dem leichtfertigen Umgang mit den digitalen Medien, insbesondere der Bilderflut: „Texte muss ich reflektieren, ein Bild dringt sofort in mich ein und bleibt in mir drin“.

Nach einer kurzen, aber intensiven Auseinandersetzung mit den Themen „Gesundheit“ und „Haushalt“ führte Roberto Dellai aus der Q11 die Debatte zu einem Hauptanliegen der Arbeitsgruppe SOR-SMC, dem Umgang mit fremden Kulturen. Der Kabarettist beschrieb das aus seiner Sicht für die zunehmende Ausländerfeindlichkeit verantwortliche Dilemma: „Wenn wir moralisch argumentieren und unserem humanitären Anspruch genügen wollen, müssten wir unsere Grenzen öffnen und alle 60 Mio. Menschen, die derzeit weltweit auf der Flucht sind, aufnehmen.“ Dies führe jedoch zu einem Gefühl der Überforderung und daraus resultierend zu einem der Ablehnung innerhalb unserer Gemeinschaft. Letzteres wird noch verstärkt durch die Verweigerungspolitik der Visegrád-Staaten: „Solidarität mit Flüchtlingen funktioniert in Europa nicht. Warum also sollen nur wir?“

Der Frage des Kabarettisten folgte eine durchaus hitzige Diskussion unter unseren Schülern. „Deutschland kann es sich leisten“, dieser Aussage von Julian Fisch begegnete Moritz Gaßler mit der Forderung nach mehr Sanktionsmöglichkeiten innerhalb der EU. Elias Bartl, der in seiner Freizeit einem Asylbewerber aus dem Senegal Nachhilfe in Mathematik gab, beklagte zudem die mangelnde Betrachtung des Einzelfalls. So wurde sein afrikanischer Schüler zwei Monate vor seiner Abschlussprüfung zum Schreiner, die ihm einen dauerhaften Aufenthalt in Deutschland ermöglicht hätte, abgeschoben. Zustimmung erfuhr er von Moritz Gaßler: „Blinder Rechtspositivismus ist nicht der richtige Weg!“

Für jede zukünftige Entwicklung bezog Bruno Jonas zum Schluss eine klare Position: „Egal, wie die Gesetzeslage in Zukunft aussieht, die Regeln unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung dürfen wir auf keinen Fall aufweichen. Wir müssen allen, die zu uns kommen klarmachen: Deutschland ist eine Demokratie, hier herrschen Religionsfreiheit und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Der emanzipatorische Impetus der Frauenbewegung darf nicht zugunsten einer falsch verstandenen Toleranz zurückgenommen werden.“

Nach zwei Stunden angeregter Diskussion, die der Schulgong leider allzu bald beendete, zeigte sich Bruno Jonas äußerst angetan von den ASGlern: „Eine ausgezeichnete Debatte, die beste, die ich seit langem mit Schülern geführt habe.“ Auch Schulleiter Guntram Kraus war stolz auf die „Dokumentation lebendiger politischer Gesprächskultur“ seiner Oberstufenschüler. Dr. Nadiane Kreipl und Maria Gubisch, Leiterinnen der Arbeitsgruppe SOR-SMC, waren ebenfalls sehr zufrieden: „Als ehemaliger ASGler und erfolgreicher Kabarettist ist Bruno Jonas mit seiner klaren, kritischen Art eine Identifikationsfigur für unsere Schüler, ein Vorbild, das sich mit den gesellschaftlichen Gegebenheiten auseinandersetzt, ohne zu verurteilen. Wir könnten keinen besseren Paten haben.“

Heidrun Berger-Asen