„Nur wer selber tut, bleibt tüchtig!“ Vortrag von Buchautor Detlef Träbert im Adalbert-Stifter-Gymnasium

Sie bringen Ihr zehnjähriges Kind bis in die Schulklasse, schmieren dem 15 Jahre alten Jungen sein Brot und der 17 Jahre alten Tochter tragen Sie nach wie vor die vergessenen Schulsachen nach. Na ertappt? Dann dürfen Sie sich als Helikopter-Eltern bezeichnen. Genau um die ging es in dem Vortrag „Helikopter-Eltern fahren auch bloß Auto“ von Diplom-Pädagoge und Buchautor Detlef Träbert im ASG. Dass solch ein Verhalten dem Sprössling alles andere als guttut, machte er dabei sehr deutlich. „Oft genug haben wir das Bestreben unsere Kinder zu beschützen, vielleicht manchmal ein wenig zu viel“, so Träbert. Und weiter: „Selber tun macht tüchtig.“ Denn etwas nicht selber tun zu können wirkt sich in Form von Frustration aus und wer als Kind gefrustet ist, entwickelt nicht den Ehrgeiz und die Geduld, die man braucht um im späteren Leben auch erfolgreich zu sein.

Gerade Kinder bis zum dritten Lebensjahr brauchen immer wieder Situationen, wo sie an ihre Grenzen stoßen. Der größte Fehler sei dabei, den Kindern aus der Patsche zu helfen, sagt der Pädagoge. „Gerade die Kleinen in diesem Alter brauchen immer wieder Misserfolge, um aus diesen wachsen zu können. Es entsteht eine Frustrationstoleranz, die später dazu führt, dass die Kinder und Erwachsenen nicht gleich die Geduld verlieren. Es ist bewiesen, dass unser Nachwuchs dann ein stärkeres soziales Verhalten aufweist und erfolgreicher in allen Lebenslagen wird.“ „Spielen Sie mit ihren Kindern ‚Mensch-ärgere-dich-nicht‘“, fordert der gebürtige Rheinland-Pfälzer auf. „Wenn sie durch Gesellschaftsspiele lernen, dass Verlieren dazugehört und das Spiel trotzdem noch lustig ist, dann haben sie etwas ganz Wichtiges fürs Leben gelernt.“ Auch durch Geschicklichkeitsübungen, wie zum Beispiel das Jonglieren, lässt uns die Frustrationstoleranz ausbauen.

Nichts geht allerdings ohne körperlich aktiv zu sein. „Bewegung ist der Motor zum Lernen.“ Am besten in der Natur. Detlef Träbert nannte keine genaue Anzahl an Stunden, die man in der Natur verbringen sollte, machte aber deutlich, dass man die Bewegung und den Sauerstoff braucht um wieder leistungsfähig zu werden. Die Bewegung sollte auf jeden Fall mehr sein als die „Bildschirm-Stunden“. Weiter sagt er: „Loben Sie Ihr Kind, aber an der richtigen Stelle. Es gibt mittlerweile einen Hype beim Loben. Die Kleinen werden also für Dinge gelobt, für die sie gar nicht verantwortlich sind. Das soll nicht Sinn der Sache sein, aber sie sollen erkennen, wenn sie etwas gut gemacht haben.“

Zum Schluss gab er Tipps, wie man am besten „Glückskinder“ erzieht: Geben Sie Ihrem Kind Liebe und Zuwendung. Richten Sie den Kinderwagen so ein, dass Sie mit ihrem Baby sprechen können, auch wenn es selbst noch nicht sprechen kann. Setzen Sie klare Regeln. Wo Einsicht fehlt, müssen Regeln verankert werden. Nehmen Sie Ihr Kind ernst und sprechen Sie auf Augenhöhe. Nur so kommen die Informationen auch tatsächlich an. Zu guter Letzt machte er deutlich, dass auf jegliche Art von Gewalt verzichtet werden muss. Dies sei nicht selbstverständlich: „Etwa 10 Prozent der Eltern geben an, dass sie ihre Sprösslinge schlagen.“

Nicole Dirnberger (PNP)