Kleine Programmierer ganz groß

Selbstständig Probleme gelöst und zwar mit durchschlagendem Erfolg haben die 6. und 7. Klasse von Michael Ganshorn, Seminarlehrer für Informatik am Adalbert-Stifter-Gymnasium. Sie besuchten Prof. Gordon Fraser, Inhaber des Lehrstuhls für Software Engineering an der Universität Passau zu einem zweitägigen Workshop. Denn Ganshorn und Fraser sind sich einig: Die Informatik und insbesondere das Programmieren wird an den Schulen zu spät begonnen. Zusätzlich wird der Lernerfolg an den Schulen durch ungeeignete äußere Bedingungen gehemmt, darunter speziell der 45-Minuten-Takt und die nur eine Stunde pro Woche in den Jahrgangsstufen 6 und 7. „Die Einstündigkeit widerspricht den Erkenntnissen aller bekannten lernpsychologischen Studien“, so Michael Ganshorn. Dem setzten die beiden ein neues Konzept entgegen: So wurden die ASGler am ersten Tag in eine kindgerechte Programmierumgebung eingearbeitet und durften am zweiten Tag selbst zwei Spiele programmieren. „Herkömmlicher Informatikunterricht ist oft zu stark vom Lehrer geleitet“, vermutet Prof. Fraser. „Es ist wichtig, den Kindern frühzeitig Strategien an die Hand zu geben, mit denen sie selbständiger Probleme lösen können, und ihnen mehr zuzutrauen“.

Schon nach diesen beiden Tagen war klar: Unsere Unterstufler erreichten bei reduzierter Anleitung nach zwei Halbtagen am Stück ein höheres Leistungsniveau als nach einem Vierteljahr einstündig in der Schule. Überraschend war auch, dass Schüler, die im Unterricht oft durch Unaufmerksamkeit auffielen, hier die besten Leistungen erzielten. Zudem waren bzgl. Interesse und Leistungsfähigkeit keinerlei Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs zu beobachten. Auch die Rückmeldungen unserer Schülerinnen und Schüler fielen äußerst positiv aus und sie freuen sich schon auf das nächste Jahr, denn Fraser und Ganshorn planen solche und andere Programmier-Events auch in Zukunft anzubieten. Sie werden auch im Rahmen eines INTERREG-Projekts weiter zusammenarbeiten. „Durch die Beobachtung der intuitiven und altersabhängigen Vorgehensweise der Lernenden beim praktischen Problemlösen erhalten wir wertvolle Rückmeldung, die wir in einer herkömmlichen Unterrichtsstunde nie erhalten würden. Diese Erkenntnisse möchten wir nutzen um den Unterricht an Schule und Universität besser auf die Bedürfnisse der Lernenden zuzuschneiden, besonders begabte Kinder frühzeitig zu fördern, aber auch den Übergang von der Schule zur Hochschule nahtloser zu gestalten“, so die beiden Informatiker.

Michael Ganshorn, Heidrun Berger-Asen