Schüler spielen „Das Gastmahl bei Trimalchio“- ASG lädt zum theatralen Gelage

Zum wiederholten Male verwandelte sich die ASG-Turnhalle in eine Bühne, diesmal in Form eines altrömischen Festsaals. Unter der neuen Leitung von Lucie Bendel präsentierte die Theatergruppe Das Gastmahl bei Trimalchio, eine antike Satire in der Bearbeitung von Ulrike Wortmann, die nur auf den ersten Blick verstaubt erscheinen mag, denn der komödiantische Abend war immer wieder mit modernen Elementen gespickt. Der neureiche Ex-Sklave Trimalchio (in der Hauptrolle: Nico Wimmer) feiert ein rauschendes Fest in seiner römischen Villa in Bavaria und scheut dafür keine Kosten und Mühen, um seine Gäste zu beeindrucken. So lässt er seine schönen Animierdamen, die Hetären, tanzen und schauspielern und von seinen zeternden Köchinnen einen opulenten Gang nach dem anderen auftischen. Und doch kann Trimalchio nicht verbergen, was er ist: ein halbgebildeter Emporkömmling. Zwar hält er vor dem Publikum gönnerhaft einen Bildungsvortrag über die Astrologie und rühmt sich seines Wissens, spricht auf der anderen Seite jedoch offen über seine Darmprobleme und zelebriert Zärtlichkeiten mit einem seiner Lustsklaven , während der andere seinen Herrn und Meister eher ironisch bis hämisch kritisiert. Trimalchio schämt sich nämlich nicht einmal, sich vor einem Gästeehepaar lauthals mit seiner dominanten Frau Fortunata (überzeugend stark: Josefa Stang) zu streiten. Immer wieder durchbrochen ist seine schamlose Fröhlichkeit jedoch von theatralischer Melancholie, die letztlich nach einigen Gläsern Wein zu regelrechten Todesfantasien führt. Als Höhepunkt seiner abstrusen Unterhaltungsshow inszeniert er sogar seine eigene Trauerfeier, um sich von jedem seiner Gäste noch etwas Nettes sagen zu lassen. Dass nicht alle Trauerreden so positiv ausfallen, wie erhofft, zeigt noch einmal mehr, dass Trimalchios Leben und Beliebtheit auch nicht mehr als eine Farce sind.

Die Dramenautorin Ulrike Wortmann fügte in ihrem Gastmahl Texte von Ovid und Petronius zusammen. Moderne Kostüme, Musikeinspielungen aus Rap- oder Popmusik und Elemente aus der Jugendsprache brachten das antike Stück jedoch ins 21. Jahrhundert. So erscheint das Geschlechterbild im Trimalchio auf den ersten Blick sehr altmodisch, dem sind jedoch clevere, dominante Gattinnen und ironische Frauengespräche entgegengestellt. Selbst den Originaltexten Ovids konnten die Schülerinnen unserer 8. und 9. Klassen als Hetären, angeführt von ihren Chefinnen der Q12 (sehr überzeugend: Anna Hengstermann und Ronja an Haack), mit geschliffener Sprache und Bühnenpräsenz Leben einhauchen.

Insgesamt erzählt das Gastmahl bei Trimalchio keine lineare Handlung, vielmehr wird varietéartig das Leben und Feiern in verschiedenen Bildern beleuchtet, die sich zu einem Gesamteindruck der Opulenz, der Protzerei und der niederen Bedürfnisse verdichten. Auch der unbedarfte Zuschauer ahnt dann zumindest, dass hier sein eigenes Dasein karikiert wird.

Bereits im letzten Jahr begleitete Lucie Bendel unsere Theatergruppe mit Rat und Tat, diesmal übernahm sie zum ersten Mal die Leitung mit einer Vielzahl an neuen Aufgaben, schließlich kümmerte sie sich sowohl um Regie und Schauspiel als auch um Garderobe, Maske und Bühnenbild. Unterstützt von einer punktgenau arbeitenden Licht- und Tontechnik unter Leitung von Thomas Carl, brachte Lucie Bendel bei ihrem Schultheaterdebut mit den Schülern der 8. bis 12. Klassen eine außerordentlich aufwendige erste Bühnenproduktion zur Aufführung, in der man die Spielfreude der Schüler regelrecht spüren konnte. Zu Recht wurde sie nach der letzten Vorstellung in der Schlussordnung von den Mitwirkenden gefeiert.

 

Judith Carl