Schülergericht gibt jungen Tätern eine Chance

Justizminister Winfried Bausback hat am Landgericht das bayernweit neunte Schülergericht eröffnet. Ein „Teen Court“ beuge erfolgreich vor, führte er den größten Vorteil an. Gerade für die große Gruppe der noch nicht festgefahrenen jungen Straftäter seien frühzeitige, passgenaue und auch kreative Sanktionen besonders wirkungsvoll. Und die kämen am besten von Gleichaltrigen. Denn wenn Schülerrichter ihren Altersgenossen den Spiegel vorhalten, „wirkt das oft besser als der erhobene Zeigefinger eines Erwachsenen“.

19 Schüler-Richter vom Adalbert-Stifter-Gymnasium, dem Gisela-Gymnasium und der Mittelschule St. Nikola werden ab 2018 zu Gericht sitzen über Ersttäter, denen leichte bis mittelschwere Vergehen vorgeworfen werden wie Beleidigung, leichte Körperverletzung, Ladendiebstahl oder Fahren ohne Fahrerlaubnis. Ein Schülergericht sei zudem auch für die Schülerrichter selbst ein Gewinn: „Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen. Dies ist eine sehr wertvolle Lebenserfahrung und steigert die Sozialkompetenz ganz wesentlich“, so der Justizminister. Vom ASG lassen sich Elena Umseher, Peggy Zlatic, Eva Breuherr, Elias Bartl, Anne Fuchs und  Tobias Hanke, betreut von Johannes Holzleiter, zu Laienrichtern ausbilden, die mit gleichaltrigen Übeltätern angemessene Strafen aushandeln.

Teen Courts befassen sich im Auftrag der Staatsanwaltschaft mit Straftaten Jugendlicher. Die Verhandlung findet nicht in einem Gerichtsgebäude statt, sondern in der Caritas-Zentrale, dem „Konradinum“ an der Oberen Donaulände. Denn die Caritas ist mit im Boot bei dem Justiz-Projekt, die sozialpädagogische Begleitung liefert die „Brücke Passau“, die sich mit jugendlichen Straftätern befasst.

Zusammen mit einem „Brücke“-Mitarbeiter befragen bei einer Verhandlung drei Schüler-Richter den Beschuldigten zu seiner Person und seiner Version des Tathergangs. Dann beraten sie ohne ihn über eine angemessene Strafe. Das können Sozialstunden sein oder ein Entschuldigungsschreiben „oder er muss drei Wochen lang sein Handy abgeben“, wie Bausback unter lachendem Raunen der Ehrengäste anführte. Auch die Erfüllung der auferlegten Sanktion überwachen die Schülerrichter. Der Leiter der Passauer Staatsanwaltschaft, Josef Scheichenzuber, rechnet mit bis zu 50 Fällen im Jahr, die auf diese Weise sozial verträglich und ohne Eintrag ins Strafregister verhandelt werden könnten.

Bausback: „Ich danke allen Beteiligten für ihren großartigen Einsatz bei der Vorbereitung und Durchführung dieses Projekts. Ich bin überzeugt: Der Teen Court wird auch in Passau ein voller Erfolg werden. Er wird auch hier unter Beweis stellen: Ein deutliches Signal zur rechten Zeit ist die beste Brücke zur Besserung.“

 

Franz Danninger (PNP)