„Siegesparty“ im Rathaus

Exakt 90 Schul-„Kinder“ weniger hat das Adalbert Stifter-Gymnasium: Schul-Chef Guntram Kraus überreichte im Großen Rathaussaal 34 jungen Damen und 56 Herren das Abiturzeugnis: „Wahnsinn, super, Kompliment“, lobte der Oberstudiendirektor angesichts 22 Einser-Ab- solventen. Es sei ein Jahr der Jubiläen, führte Kraus aus, er selbst habe vor genau 40 Jahren die Hochschulreife geschafft. Der Abi-Jahrgang 2017 liege ihm noch mehr als andere am Herzen, weil der erste Oberschultag dieser Abiturienten auch sein erster offizieller am ASG gewesen sei: „Nach acht gemeinsamen Jahren am ASG ist aber der Unterschied zwischen uns ein erheblicher: Ihr seid am Ziel angekommen. Mein Weg dort ist aber immerhin auch schon in der zweiten Halbzeit der Spieldauer angelangt.“

Artig bedankte sich OB Jürgen Dupper, dass die Abiturienten „nach gefühlt 100 000 Schulstunden, 200 Schulaufgaben und einer Million Stegreifaufgaben“ sich „das Rathaus für ihre Siegesparty ausgesucht“ hätten: „Eigentlich beneide ich Sie. Sie sind schön anzusehen, Sie haben die große Nummer gezogen, können ab heute frei entscheiden, wie Sie Ihr weiteres Leben gestalten. Und Sie können“, scherzte er, sogleich mit Jubel bedacht, „sich ab 17. Juli die neue Staffel von Sie wissen schon- was anschauen (Anm. d. Red.: „Games of Thrones“). Die Abiturienten hätten sich „wichtige Fertigkeiten angeeignet, sind zu Persönlichkeiten gereift, werden nun Arbeitsmarkt und Gesellschaft mitgestalten als Menschen mit Haltung, wie Sie es im Schulleben bereits unter Beweis stellten. Dafür Hut ab und Chapeau!“ Das bezog der OB wohl auch auf die, für die nun siebte Absolvia, verkürzte Gymnasialzeit: „Sie haben nur acht Jahre am ASG hinter sich, nach Ihnen haben Schüler wieder neun Jahre Zeit. Würde es um großäugige, liebe Kaninchen gehen in solchen Experimenten, würden alle Ethik-Kommissionen und die Öffentlichkeit in Schnappatmung verfallen. Nicht so bei Abiturienten: Da nennt man das Bildungspolitik.“ In Zeiten sinkender Arbeitslosigkeit und wachsenden Wohlstands bleibt Dupper „überzeugt, dass die besten Jahre noch kommen. Sie sind Teil dieser besten Jahre und gestalten sie, während wir Alten längst irgendwo sind“. Und, falls der eine oder die andere nach den Lehr- und Wanderjahren zum Sesshaftwerden sich auf die eigene Schulstadt besinne: „Wir freuen uns auf Sie!“

Schul-Chef Kraus kam auf sein Abi-Jubiläum zurück, verglich 1977 mit 2017, thematisierte die traurige Parallele des blutigen Terrors, damals national durch die RAF, heute international durch Islamisten. Nur durch „Kennenlernen von Anderem und Anderen in der Welt“ wie bei den Abi-Fahrten nach Rom, Barcelona, Wien und Amsterdam sei die Welt zu verstehen und in ihrer Verschiedenheit zu tolerieren. Für die Absolvia bekannten Theresa Hierl und Benedikt Schiestl in ihrer von herzlichem Dank geprägten Zweijahres-Bilanz: „Trotz allem dürfen wir uns heute die Bildungselite Deutschlands nennen, auch wenn unsere Faulheit uns oftmals vom Lernen abbrachte“. Kraus gab seinem ersten komplett mitbegleiteten Jahrgang drei Wünsche mit auf den Weg: den nach rascher Orientierung, den nach „Lust auf Leistung, nicht auf Erfolg“ und den nach einer lebenslangen Jahrgangs-Gemeinschaft: „Wenn Ihr in 40 Jahren Abitreffen habt, könnt Ihr 2057 ja auch daran denken, dass Euer Schulleiter 100 Jahre alt würde.“ Kraus‘ erster Wunsch war auch das Anliegen von Elternbeirats-Chef Christoph Metten: Mit „dem wertvollsten Schulabschluss, den es gibt, dem bayerischen Abitur, fordere ich Sie auf, ergreifen Sie Ihre Möglichkeiten, brechen Sie auf in neue Abenteuer, machen Sie was aus Ihrer Zukunft und – machen Sie es gut!“

Die Schulbesten, Jonas Haslböck (1,1) und Janik Bürgermeister (1,2), beide mit Buchpreisen bedacht sowie frisch gebackene Mitglieder der Deutschen Mathematiker-Vereinigung und Preisträger der Physikalischen Gesellschaft, mit Janina Lutter, Sophia Niedermeier und Alois Süß (alle 1,4) zudem Online-Stipendiaten von e-fellows, glänzen auch in dieser Hinsicht: Nach PNP-Recherchen wollen beide ab Herbst Mathe studieren, Haslböck in Regensburg, Bürgermeister in München, sich spezialisieren auf Physik oder Finanzen oder Personalwesen: „Die Wirtschaft sucht Leute, die gut denken können.“ Preise von der Amalie-Vogl-Stiftung bekamen Anastasija Zlatic (bestes Englisch-Abi), Julia Findeisen (schriftlich Französisch) und Hanna Kreipl (mündlich Französisch).

Christine Pierach (PNP)