ASG-Schülerinnen und -Schüler im Bayerischen Landtag

Oberstufenkurse „Politik und Gesellschaft“ erleben im Maximilianeum Demokratie aus nächster Nähe

Wer das Maximilianeum hoch über der Isar sieht, ahnt kaum, wie lebhaft, ja leidenschaftlich es hinter seinen ehrwürdigen Mauern zugehen kann. Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufenkurse Politik und Gesellschaft des Adalbert-Stifter-Gymnasiums durften dies am 30. September 2026 erleben. Ihr Besuch im Bayerischen Landtag fiel auf die erste Plenarsitzung nach der Sommerpause. Politik begegnete ihnen dort nicht als Lehrbuchstoff, sondern als Ereignis.

Von der Besuchertribüne aus verfolgten sie eine Debatte, die an die Grundfesten der Landesverfassung rührte. Auf der Tagesordnung stand ein Gesetzentwurf der AfD, der die Amtszeit des Ministerpräsidenten auf zehn Jahre begrenzen sollte. Es gab scharfe Repliken, einen Ordnungsruf und Beifall von ganz unerwarteter Seite. Am Ende wiesen CSU, Freie Wähler, Grüne und SPD den Vorstoß geschlossen zurück. Wie hinter nüchternen Verfahrensregeln Überzeugung, Kalkül und Temperament aufeinanderprallen, ließ sich an diesem Nachmittag unmittelbarer beobachten als in jeder Unterrichtsstunde.

Den eigentlichen Höhepunkt des Tages bildete jedoch das Gespräch mit den Landtagsabgeordneten Ruth Müller (SPD), Stefan Meyer (CSU), Roswitha Toso (Freie Wähler) und Toni Schuberl (Bündnis 90/Die Grünen). Die Jugendlichen nutzten die Gelegenheit mit wacher Neugier. Sie wollten wissen, wer hinter den Social-Media-Auftritten der Abgeordneten steht und ob die im Plenum so pointiert vorgetragenen Reden tatsächlich aus eigener Feder stammen. Ebenso zielsicher fragten sie nach der politischen Bilanz ihrer Gesprächspartner. Welche Gesetzesinitiativen der vergangenen Jahre hatten sie mitgetragen, gegen welche sich entschieden zur Wehr gesetzt, und aus welchen Gründen? Die Antworten fielen offen und aufschlussreich aus. Sie zeigten einen Berufsalltag zwischen Plenarsaal, Stimmkreis und digitaler Öffentlichkeit und machten die Abwägungen sichtbar, die jeder politischen Entscheidung vorausgehen.

Bald wurde aus der Fragestunde ein echter Dialog, denn auch die Abgeordneten wollten die Sicht ihrer jungen Gäste kennenlernen. Wie stehen sie zur Begrenzung der Amtszeit, über die kurz zuvor im Plenum so erbittert gestritten worden war? Und wie viel Demokratie wird im Schulalltag tatsächlich gelebt, im Klassenzimmer, in der Schülermitverantwortung, bei der Gestaltung des Schullebens? Die Schülerinnen und Schüler bezogen Stellung, wogen Argumente gegeneinander ab und bewiesen, dass politische Urteilskraft keine Frage des Alters ist.

Auf der Heimfahrt nach Passau war mehr im Gepäck als die Eindrücke aus einem geschichtsträchtigen Haus. Die Schülerinnen und Schüler hatten erfahren, dass Demokratie vom Widerspruch lebt, vom Zuhören und vom Mut, Fragen zu stellen, und dass sie dort beginnt, wo man sich einmischt.