Im Rahmen des Religionsunterrichts unternahm die 9. Jahrgangsstufe einen eindrucksvollen Lerngang zur jüdischen Synagoge in Regensburg. Das moderne Gebäude wurde erst vor sechs Jahren neu errichtet – bewusst am historischen Ort jener Synagoge, die im Jahr 1938 während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zerstört worden war. Schon dieser Umstand machte den Schülerinnen und Schülern deutlich, wie eng Vergangenheit und Gegenwart hier miteinander verbunden sind.
Die Führung übernahm Benjamin Kochan, Rabbiner und jüdischer Religionslehrer, der den Jugendlichen mit großer Offenheit die Grundlagen des jüdischen Glaubens näherbrachte. Im Mittelpunkt standen dabei die Tora als zentrale Heilige Schrift sowie die Bedeutung des Schabbats. Die Jungen der Gruppe trugen während des Besuchs eine Kippa als Zeichen des Respekts. Besonders aufmerksam hörten die Schülerinnen und Schüler zu, als Rabbiner Kochan erklärte, dass es nach traditioneller Zählung 613 Gebote im Judentum gibt und dass am Schabbat 39 Arten von Tätigkeiten vermieden werden sollen, um den Ruhetag bewusst zu gestalten.
Ein eindrücklicher Moment war die Erzählung über beschädigte Torarollen: Diese werden nicht einfach entsorgt, sondern nach jüdischer Tradition würdevoll auf einem jüdischen Friedhof begraben. Solche Einblicke machten deutlich, wie stark Wertschätzung und Respekt gegenüber religiösen Gegenständen im jüdischen Alltag verankert sind.

Im Anschluss an die Synagogenführung besuchte die Klasse die Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge am Neupfarrplatz. Dort wurde die Geschichte der jüdischen Gemeinde Regensburgs vertieft und der Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus gelenkt. Auch die sogenannte „Judensau“ am Regensburger Dom wurde thematisiert und kritisch eingeordnet.
Der Besuch hinterließ bei vielen einen bleibenden Eindruck. Neben neuen Kenntnissen über religiöse Bräuche und Traditionen wurde vor allem deutlich, wie bedeutsam gegenseitiger Respekt, historisches Bewusstsein und interreligiöser Dialog für ein friedliches Zusammenleben sind.