Ein Lichtstrahl durchbricht die Dunkelheit, Schatten beginnen zu tanzen, und plötzlich wird Geschichte lebendig. Mit Eindrücken wie diesen kehrten die Schülerinnen und Schüler der Begabungsförderung des Adalbert-Stifter Gymnasiums am 19. Juni 2026 von einer außergewöhnlichen Exkursion nach Linz zurück. Wissenschaft, Literatur und Musiktheater verschmolzen an diesem Tag zu einem ebenso abwechslungsreichen wie inspirierenden Erlebnis.
Den Auftakt bildete ein besonderes Schattentheater an der Johannes Kepler Universität. In einer eindrucksvollen Inszenierung erzählten Licht und Schatten die Lebensgeschichte des berühmten Universalgelehrten Johannes Kepler. Die reduzierte, zugleich ausdrucksstarke Form des Schattenspiels eröffnete einen ungewöhnlichen Zugang zu dessen wissenschaftlichem Wirken und seiner Persönlichkeit. So wurde Geschichte nicht nur vermittelt, sondern unmittelbar erfahrbar. Anschließend begab sich die Gruppe auf die Spuren des Namensgebers unserer Schule: Im Oberösterreichischen Literaturmuseum, das sich in der ehemaligen Wohnung Adalbert Stifters befindet, erhielten die Jugendlichen faszinierende Einblicke in Leben und Werk des bedeutenden Schriftstellers. Während einer fachkundigen Führung wurden nicht nur biografische Stationen und literarische Besonderheiten anschaulich dargestellt, sondern auch die gesellschaftlichen und kulturellen Hintergründe seiner Zeit lebendig vermittelt.


Ein weiterer Höhepunkt des Tages erwartete die Gruppe im Musiktheater Linz. Noch vor der Aufführung des Musicals COME FROM AWAY – DIE VON WOANDERS nahmen die Jugendlichen an einem vorbereitenden Workshop teil. Im Mittelpunkt stand die wahre Geschichte der Bewohner der kanadischen Kleinstadt Gander, die nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 Tausende gestrandete Flugpassagiere aufnahmen. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich dabei intensiv mit Fragen von Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und gesellschaftlichem Zusammenhalt auseinander. Auch die musikalische Gestaltung des Musicals wurde näher beleuchtet. Die Besonderheiten des Celtic Folk-Rock, die verschiedenen Instrumente und die Bedeutung von Rhythmus für die Dramaturgie eines Bühnenstücks wurden anschaulich erklärt. Besonders viel Freude bereitete den Jugendlichen das eigene Ausprobieren: Mit Körperpercussion wurden Rhythmen nachgespielt, Szenen gemeinsam erarbeitet und kreativ auf die „Bühne“ gebracht. Dabei konnten die Teilnehmenden ihre Ideen, ihre Teamfähigkeit und ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellen.
Spannende Einblicke hinter die Kulissen bot zudem eine Theaterführung. Werkstätten, Bühnentechnik und organisatorische Abläufe eines modernen Musiktheaters machten deutlich, wie viele Menschen und Berufe an einer erfolgreichen Aufführung beteiligt sind. Für viele war dies eine faszinierende Begegnung mit einer oft verborgenen Welt voller Kreativität, Präzision und Teamarbeit.

Den krönenden Abschluss bildete schließlich die Aufführung von COME FROM AWAY. Mit mitreißender Musik, bewegenden Geschichten und eindrucksvollen Darstellerinnen und Darstellern zog das Musical sein Publikum von der ersten bis zur letzten Minute in den Bann. Die Botschaft des Stücks war ebenso einfach wie kraftvoll: Menschlichkeit kennt keine Grenzen. Gerade in einer Zeit, die von Krisen und Unsicherheiten geprägt ist, hinterließ diese Botschaft einen bleibenden Eindruck. Die Exkursion nach Linz zeigte eindrucksvoll, wie Lernen außerhalb des Klassenzimmers gelingen kann. Sie eröffnete neue Perspektiven, förderte kulturelle Bildung und regte dazu an, über Wissenschaft, Literatur und gesellschaftliche Werte nachzudenken. Vor allem aber machte sie deutlich, dass Bildung dort besonders nachhaltig wirkt, wo Wissen, Emotion und persönliche Erfahrung miteinander verbunden werden.