Junge Street Art in Passau

P-Seminar des Adalbert-Stifter-Gymnasium zeigt Werke im öffentlichen Raum

„Kunst kommt von Denken“

Mittlerweile zum zweiten mal konnte am ASG für die 11. Jahrgangsstufe ein P-Seminar „Street Art“ angeboten werden. Unter der Leitung des Kunstlehrers Florian Oberhansl entwickelten die elf Teilnehmer*innen unterschiedliche Konzeptionen zum erweiterten Begriff der Street Art. Dabei entstand eine überraschende Vielfalt an Werken, die im öffentliche Raum präsentiert wurden. Die Themenbandbreite der meist temporären Installationen entstammt der Realität, die für die Jugendlichen derzeit tragende Rollen spielen.

So entwarf Mia Tomaschko eine Pop Art-Grafik, die sich mit der Sexualisierung des weiblichen Körpers auseinander setzt, indem sie Ausschnitte von Schaufensterpuppen mit entsprechenden Slogans und auffälliger Farbgebung versah. Sie mietete kurzerhand eine Plakatwand in der Innstrasse, um ihr Werk überdimensional der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Ebenso großformatig und plakathaft wirkte die Gemeinschaftsarbeit von Luisa Amiary und Leo Jacobi, auf der die beiden Schlagwörter zu lebensphilosophischen Fragen anbrachten. Die Stadtgalerie Passau unterstützte freundlicherweise dazu das Seminar mit der Bereitstellung von Ausstellungsflächen.

Auch die aufwändig zu installierende Arbeit von Anisa Kazimi durfte dort im Eingangsbereich eines vorübergehenden Leerstandes ihren Platz finden. Die Schülerin klebte über 1700 einzelne Post Its in zwei Farben auf eine Fläche von ca. 25 Quadratmetern, die aus der Ferne das Wort „Choice“ bildeten. Ein Schlagwort, dass den Interpretationsprozess beim Betrachter in Gang setzen soll, angefangen bei der „Wahl“, vor der wir im Leben immer wieder stehen, über die freie Entscheidungsmöglichkeit in unserer westlichen Welt bis hin zur Unfreiheit des Individuums in anderen Gesellschaften und politischen Systemen. Inwieweit haben wir eigentlich eine Wahl?

Aufgabe der Schüler*innen war es auch, sich selbständig um die Präsentationsmöglichkeiten zu kümmern, was in hervorragender Weise gelungen ist. Florian Oberhansl zeigt sich überaus zufrieden mit den Ergebnissen des Seminars, das gezeigt hat, dass „Kunst nicht vordergründig von Können, sondern vor allem von Denken kommt und Jugendliche eben sehr viel über Angelegenheiten und Fragen ihrer Lebenssituation nachdenken und dies letztendlich in der Sprache der Kunst ausdrückten“, wie er erklärend anfügt.

Fabian Schneider suchte sich einen sehr speziellen Ort für seine Pappmacheetaube, die mit einem dicken Nagel durchbohrt ist. Er installierte die Plastik in dem bereits von den kriegstüchtigen Römern genutzten Neutorgraben an einem Baum. Die aufgespießte Friedenstaube, die symbolhaft an vielen Orten der Welt mit Füssen getreten wird.

Auf dem Gelände des ASG verwirklichte Pia Oberneder eine besondere Reparaturarbeit einer ca. 3 x 6 Meter großen Betonwand. Kleine Löcher und Risse wurden mit bunten Kaugummis gefüllt. Eine Arbeit von subtiler Schönheit, die man erst so richtig beim zweiten, genaueren Blick wahrnehmen kann.

Michael Kandlbinder und Ben Wolf verfolgten in Ihrer Partnerarbeit einen heimatgeschichtlichen Ansatz. Sie recherchierten im Stadtarchiv über vergangene Nutzung von ehemaligen Läden in der Innenstadt. Die beiden entwarfen dazu kunsthistorische Texte, in denen die Chronologie der Gebäudenutzung aufgezeigt wird. Dazu brachten sie temporär vor den Fassaden Bilderrahmen mit QR-Codes an, durch die man die Textinformation lesen konnte.

Die abgelegenste Projektarbeit befand sich für ein paar Tage über dem Aussichtspunkt am Oberhaus. Eine von Hannah Schreiner gebaute Bank, von der aus man den herrlichen Ausblick über die Stadt geniessen konnte.

Emma Memminger, ihres Zeichens Nationalspielerin der DFB U17-Auswahl machte ihre Passion zu einem bewegten Kunstprojekt. Sie entwarf ein EM-Fahrrad in Deutschlandfarben mit Details wie einem Fussball als Sattel, mit dem die Schülerin durch die Stadt radelte.

Das Zeughaus Passau bietet nun die Heimat für eine mittelformatige Kohlezeichnung von Julian Obermeier. Er kritisiert offensiv und subtil gleichzeitig uns Menschen als Klimasünder.


Fotos: Florian Oberhansl

Gruppenbild vor Plakatwand von links nach rechts: Fabian Schneider, Luisa Amiary, Leo Jacobi, Mia Tomaschko, Julian Obermeier, Anisa Kazimi, Michael Kandlbinder, Ben Wolf, Pia Oberneder, Emma Memminger, Hannah Schreiner